WAZ Zeitungsbericht vom 16.07.2017

Rollschuhverein im Essener Grugapark sieht sich im Abseits

 

Bericht von: Marcus Schymiczek 16.07.2017

 

Seit 1965 übt der REV seinen Sport in der Gruga aus. Die Rollschubahn ist ein vergessener Ort, die Gebäude verfallen. Der Verein ruft um Hilfe.

Günther Frowitter, 1. Vorsitzender des REV, würde mit seinem Verein gerne langfristig im Grugapark bleiben. Die Läufer hoffen, dass die Anlage instand gesetzt wird.               Bild: Socrates Tassos

 

Ob Kür oder Pflicht – Karin Engstfeld zeigt den Mädchen, wie es geht. Seit 1962 ist die Dame mit dem einnehmenden Lächeln Trainerin beim REV Gruga. Die heute 75-Jährige hat ihre Schützlinge zu Europa- und Weltmeisterschaften geführt. Gerade erst ging es zur Norddeutschen Meisterschaft nach Bremen, wieder landeten Läufer des „Roll- und Eissportverein Gruga Essen e.V.“ auf dem Treppchen. Das Rollschuhkunstlaufen erfreut sich wachsender Beliebtheit, gerade bei Jugendlichen, berichtet Günther Frowitter, 1. Vorsitzender des Vereins, der seit 1965 auf der Rollschuhbahn im Grugapark zuhause ist. 324 Mitglieder zählt der REV, davon 166 Aktive. Nicht schlecht für einen Sport, der in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine Nebenrolle spielt.

 

In den Umkleideräumen fällt der Putz von den Wänden

 

Während der REV sportlich auf der Höhe der Zeit ist, scheint sie rund um die Rollschuhbahn stehen geblieben zu sein. Auf den Stufen der Tribüne wächst das Gras, in den Umkleiden fällt der Putz von den Wänden, den Gymnastikraum haben sie schon drei Mal renoviert, weil Wasser durch Abflüsse und Leitungen drückte. Auf die Toilette gehen sie lieber im benachbarten Landhaus. Die Türen zum öffentliche WC sind die einzigen, die dort noch offen stehen. Die Gastronomie ist geschlossen. Seit die Küche kalt ist, sieht es noch trostloser aus in diesem vergessenen Teil des Grugaparks. Ob und wann das Landhaus eines Tages wieder öffnet, steht in den Sternen. Konkrete Pläne gibt es nicht, heißt es aus der Parkverwaltung. Für den REV macht es das nicht besser.

 

Der Rollschuhverein hat die Anlage über den Essener Sportbund gepachtet. Eigentümer ist Grün und Gruga. „Wir fühlen uns eigentlich puddelwohl hier und würden gerne bleiben, gerne auch für die nächsten 30 Jahre“, sagt Günther Frowitter. Doch unter den gegebenen Bedingungen könne der Verein den heutigen Standard nicht halten. Irgendwann, befürchtet Frowitter, könnten auch die Jugendlichen bei aller Liebe zum Sport das Weite suchen. Eine Zumutung sind Umkleide- und Sanitärräume schon heute.

 

Immerhin: Die Bahn selbst ist in Ordnung, das Training möglich, jedenfalls so lange es trocken bleibt. Andernfalls verwandelt sich der Belag in eine Rutschbahn. Ein dünne Feuchtigkeitsfilm genügt, und an Trainieren sei nicht zu denken. Die Rollschuhläufer weichen dann aus, nach Velbert, Dinslaken oder Duisburg, wo es gerade freie Hallenzeiten gibt. „Zum Winter hin trainieren wir jeden Tag in einer anderen Stadt“, berichtet Karin Engstfeld. Dank persönlicher Kontakte ihrer Trainerin kommen die Läufer unter. In Essen sei das schwierig. In der Rollsportarena an der Raumerstraße in Frohnhausen gehen die „Rockets“, Bundesligist im Skaterhockey, ihrem Sport nach und das sehr erfolgreich.

 

Verein hofft auf eine Überdachung der Rollschuhbahn

 

Was wäre die Alternative für den REV? Günther Frowitter zieht eine Zeichnung aus der Tasche. Es ist der Entwurf für eine Überdachung, vergleichbar der einer an den Seiten offenen Markthalle, die es dem REV erlauben würde, einen Teil der Rollschuhbahn auch bei schlechter Witterung zu nutzen. Auf 250 000 Euro veranschlagt Frowitter die Kosten. „Halb so viel wie für einen Kunstrasenplatz“, sagt der Vorsitzender mit bitterer Ironie. Im Vergleich zum Fußballsport sieht sich der REV im Abseits.

 

Die Renovierung der Umkleiden wäre die Pflicht, die Überdachung der Rollschuhbahn die Kür. „Wir sparen seit Jahren dafür und wollen nichts geschenkt“, sagt Frowitter. Ohne finanzielle Hilfe kann der Verein die Investition nicht stemmen.

 

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